Elbfischerei im 18. und 19. Jahrhundert

Während heute die Fischerei auf Unterelbe und auch in den Nebenflüssen keine wirtschaftliche Bedeutung mehr hat, sondern vor allem durch Freizeitfischer ausgeübt wird, spielte die Elbfischerei in früheren Jahrhunderten eine wichtige Rolle, sowohl zur Eigenversorgung der Marschbewohner als auch wirtschaftliche Existenz.

Hierzu führt die Dorfgeschichte von Seestermühe (Danker-Carstensen, Peter: Dorfgeschichte Seestermühe, Eine Gemeinde in der Elbmarsch, Hrsg. von der Gemeinde Seestermühe 2002) folgendes aus:

„Die Fischerei auf der Unterelbe wurde zwar schon seit Jahrhunderten ausgeübt, diente jedoch fast ausschließlich der Eigenversorgung der Uferbewohner. Erst mit dem Anwachsen der Städte entwickelte sich die Elbfischerei allmählich zum Gewerbe. Schon im 16. Jahrhundert wurden die Blankeneser und die Finkenwerder Fischer erwähnt. Später kamen die Altonaer Fischer hinzu. lm 18. Jahrhundert gingen die Blankeneser Fischer von der Flussfischerei zur Seefischerei auf der Nordsee über. lm 19. Jahrhundert begann dann, verursacht durch die napoleonischen Kriege, der Rückgang der Elbfischerei. Nur eine kleinere Zahl von ihnen nahm nach 1815 das alte Gewerbe wieder auf, ohne dass dies seine alte Bedeutung wieder erlangte. Die Mehrzahl der Blankeneser Fischer fand Beschäftigung in der Handelsschifffahrt. Für die übrigen holsteinischen Hafenorte an den Elbnebenflüssen sind für die 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts so gut wie keine quantitativen Angaben über den Umfang der Fischerei zu machen. Man kann aber davon ausgehen, dass die Fischerei hier nur der Eigenversorgung diente und noch keine überörtliche Bedeutung hatte. Die relativ wenigen Berufsfischer waren in unmittelbarer Küstennähe, auf der Unterelbe und in den Flussmündungen tätig. Sie versorgten die küstennahen Orte mit Frischfisch. Einen Transport ins Hinterland gab es wegen fehlender Verkehrswege und -mittel und Kühlung des Fanges praktisch nicht.

Dieser Zustand änderte sich grundlegend im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. lm Zuge der Industrialisierung und des damit verbundenen starken Bevölkerungswachstums in den Städten entstanden - ausgehend von der Weser - meist auf genossenschaftlicher Basis regelrechte Hochsee-Fischereiflotten mit eigens für diesen Zweck entwickelten völlig neuen Schiffstypen (Logger). Auf der Elbe und deren Nebenflüssen führte diese Entwicklung ebenfalls zu einem raschen Aufblühen der Fischerei. ln den lokalen Quellen wird für das letzte Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts von einer Blütezeit für die Elbfischerei gesprochen.

ln vielen Orten an der Elbe und ihren Nebenflüssen waren Berufsfischer beheimatet. Allein Glückstadt zählte um die Jahrhundertwende 30 Elbfischer mit eigenen Fahrzeugen. In Kollmar waren um dieselbe Zeit außer einer ansehnlichen Handelsflotte von 32 Küsten- und FIussschiffen 21 Fischerboote beheimatet. Hinzu kam eine größere Anzahl von Nebenerwerbsfischern mit eigenen Booten, deren genaue Zahl sich aber nicht mehr ermitteln Iasst.

1918 wurden in Hamburg 9.840.000 kg in der Unterelbe gefangener Fisch angelandet. Während 1925 noch mit 1.200 Booten und Kuttern dem gewerbsmäßigen Fischfang auf der Niederelbe nachgegangen wurde und allein 135 Wurfnetzfischer im Hamburger Hafen ihren Lebensunterhalt verdienten, gab es 1976 nur noch ganze sieben Fischer, die unter großem Zeitaufwand versuchten, ihre Netze voll zu bekommen. Damit war dieser Gewerbezweig, der vor 100 Jahren noch Tausende von Menschen beschäftigte, so gut wie verschwunden. Mit dem Verlust dieser Arbeitsplätze ging eine ständige Verteuerung des Lebensmittels Fisch durch kostenaufwendigere Fangreisen und immer größere und teurere Fangfahrzeuge einher.“

Im 20. Jahrhundert gab es nur noch wenige Berufsfischer, die Fischerei wurde aber oft im Nebenerwerb betrieben. Eine besondere Form der Fischerei wurde im Elbwatt vor Seestermühe betrieben, die Buhnenfischerei. An die Buhnenfischerei erinnert sich Jochim Bohn auch 2024 noch sehr lebhaft, wie er im Filminterview beweist. Sein Wissen, dass auf familiärer Erfahrung beruht, hat er schon 2002 schriftlich festgehalten. Der Text wird hier mit Zustimmung des Autors wiedergegeben.

Die Buhnenfischerei auf dem Seestermüher Elbwatt

Diese Art des Fischfangs geht bis auf die erste Besiedelung der Marschen zurück.

Schon der römische Gelehrte und Schriftsteller Plinius, der im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung den Norden bereiste, berichtete, dass „die Bewohner der Marschen ihre Netze aus Schilf und Binsen herstellten, da Baum und Strauch nur fern von ihnen vorkamen. Mit dem ablaufenden Wasser der Ebbe machten sie Jagd auf die entfliehenden Fische.“ Soweit Plinius.

Eine spätere Beschreibung der Buhnenfischerei gibt uns Matthiessen, der 1836 die Marschgüter Seestermühe, Gross und Klein Collmar beschrieb. Damals waren an manchen Orten der Westküste Buhnen zum Fischfang vorhanden. Es waren aus Weidengeflechte viereckige Einzäunungen, die auf dem Watt aufgestellt waren. Diese Buhnen hatten einen Flächeninhalt von ca. 20 y-Ruthen = etwa 420 m², die bei Flut vollständig überflutet waren. Die Buhnenfischerei ist nur im Tidebereichen der Küsten oder Flüsse möglich.

Die Fische suchen bei Flut die mit Binsen bewachsenen Uferregionen auf. Die Binse und die Strandmimose nehmen in ihrem inneren Wabensystem während der Ebbe, wenn diese Pflanzen freistehen, Sauerstoff auf. Den gespeicherten Sauerstoff geben die Pflanzen bei Flut in das umspülende Wasser ab. Dadurch erhöht sich der Sauerstoffgehalt im Wasser und fördert die Selbstreinigung. In diesen sauerstoffreichen Regionen halten sich eine Vielzahl von Kleinlebewesen auf, die den Fischen als Nahrung dienen. Beim Einsetzen der Ebbe verlassen die Fische die Flachwasserzonen und suchen tieferes Wasser auf. Während dieser Flucht gerieten sie in die Buhnen. Das fallende Wasser verhinderte ein entkommen.

Die im flachen Bereich verbleibenden Kleinlebewesen vergraben sich bis zur nächsten Flut im Schlick. Die frühen Buhnen besaßen scheinbar keine Reuse, da Matthiesen schrieb: „Die auf dem Schlick zurückgebliebenen Fische werden dann eingesammelt.“ Später hat man in den beiden elbseitigen Ecken je eine Reuse angebaut.

Schon vor der Jahrhundertwende änderte man die Fangmethode mit einem ausgeklügeltem Reusensystem, das scheinbar nur auf dem Elbwatt vor den Seestermüher Schallen durchgeführt wurde, da es anderswo nicht erwähnt ist.

In Seestermühe war die Buhnenfischerei sehr ausgeprägt, die den Fischern neben anderen Tätigkeiten ein gutes Einkommen und gewisse Unabhängigkeit gaben. Auf dem Watt zwischen Krückau und Pinnau sollten sich bis zu 12 Fischbuhnen des jüngeren Systems befunden haben. Aus Platzgründen hatte ein Fischer seine Buhne südlich der Pinnau vor Kreuzdeich bei Bishorst aufgebaut.

Um ca. 1930 betrieben noch sechs Seestermüher die Buhnenfischerei als Nebenerwerb. Es waren ein Schlachter, ein Fleischbeschauer, ein Fahrradhändler und drei Tagelöhner. Danach bis Kriegsausbruch 1939 befanden sich noch zwei Buhnen und anschließend noch eine Buhne auf dem Watt. Diese Buhne gehörte dem Fleischbeschauer Fritz Bohn vom Neuenfeldsdeich. Er war der letzte Buhnenfischer, der 1953 mit 78 Jahren die Fischerei einstellte. Er war schon lange Rentner und auf die zurückgehenden Erträge nicht angewiesen, aber die Fischerei hielt ihn fit. Er landete die Fische lebend an und hatte dadurch einen festen Kundenkreis.

So eine Buhne war total aus Holz – Weidenstöcke - hergestellt, kurzfristige Versuche mit Drahtreusen, die der Fahrradhändler Emil Weinberg vom Neuenfeldsdeich, der bis 1939 eine Buhne betrieb, anfertigte, gab man bald wieder auf, da sich vom verzinktem Draht durch die Strömung ein galvani-scher Strom aufbaute, der sich negativ auf den Fang auswirkte. Der Bünker, wie der Buhnenfischer genannt wurde, erwarb oder schnitt selber im Dezember tausende einjährige Weidenbüsche. Die Weide, die schon um 1013 in der Marsch erwähnt wird, lieferte das Buhnenmaterial. Ab dem 19ten Jahrhundert legte man im Seestermüher Außendeich Weidenkulturen an. Der Bünker konnte nun sein Material aus diesen Kulturen erwerben.

Nach Neujahr begann der Bünker in der geheizten Werkstatt mit der Anfertigung der Reusen und Fleken. Fleken nannte man die langen Zäune. Aus dünnen, weichen Weiden stellte man die Reusen her. Für eine Reuse benötigte der Bünker fast einen Tag. Die fingerdicken Stöcke für die Fleken hackte man mit dem Hauer auf ca. 80 cm Länge ab. Dickere Stöcke wurden zu Hälften oder Dritteln gespalten. Mit dünnen, langen, sehr biegsamen Weiden wurden die Stöcke aneinander geflochten. Unten bekamen diese Fleken, die je eine Länge von 10 m hatten, doppelte Flechtreihen. Sobald im März warme Tage eintraten, stellte man die Fleken auf eine lange Bank an die Hauswand, hier erhielten die Fleken noch zwei Flechtreihen im Abstand von je 25 cm. Dann mussten noch für jede Reusenstelle zwei kurze, ca. 2,50 m lange und ca. 1,20 m hohe Fleken aus sehr biegsamen und gleichmäßige gewachsenen Stöcken für die Hörn angefertigt werden. Die Hörn bildete später den Übergang von den Fleken in die Reusen. Diese Fleken erhielten fünf Flechtreihen. Zur späteren Halterung der Fleken an den Pfählen benötigte man noch einige hundert ca. 3 m bis 3,50 m lange Weidenschächte aus zweijährigem Holz. Außerdem waren noch einige hundert armdicke Pfähle erforderlich, die üblicherweise von den Kopfweiden des Außendeichschutzholzes bezogen wurden. Mitunter ließ sich der Bünker auch Pfähle aus Nadelhölzern von einem Holzhändler liefern. Diese Pfähle waren teuer deshalb kam es nur vor, wenn die Zeit drängte. Die ganze Anfertigung der Buhne übte der Bünker ohne fremde Hilfe aus.

Wenn alles fertig war, die Fleken waren aufgerollt, transportierte man die Buhne im April, spätestens Anfang Mai, auf einem vom Bauern geliehenen Fuhrwerk zu einem Ritt, dass der Buhnenstelle am nächsten lag. Die Buttsaison begann Ende April, der Aal kam erst Mitte Mai. Täglich brachte man mit einem Kahn beim Einsetzen der Ebbe die für eine Niedrigwassertide benötigten Teile zur Buhnenstelle. Jeder Bünker besaß einen etwas größeren, den hier üblichen Haseldorfer Kahn mit flachem Boden. Der flache Boden war wichtig für das Trockenfallen des Kahns. Er blieb gerade liegen und erleichterte das ausladen. Auf flachem Wasser wurde der Kahn mit einem langen Bootshaken, der „Schubbaum“ genannt wurde, geschoben.

Nun begann der Aufbau der Buhne auf dem Watt, der ungefähr eine Woche dauerte. Im allgemeinen waren hierfür drei Mann erforderlich. Zuerst trieb man mit einer „Tunslog“ Pfähle in den Wattboden. Diese Tunslog war ein viereckiger Holzhammer, den man aus dem Holz eines Apfel- oder Zwetschgenbaumes, wenn möglich aus dem Stubben oder verwachsenen Stammteil, anfertigte. An der Schlagseite befand sich eine Aushöhlung mit der man auf dem Pfahl schlug. Diese Höhlung hatte den Zweck, das Spalten des Pfahles zu verhindern. Geschlagen wurde mit zwei Mann mit raschen, abwechselnden Schlägen, damit der Pfahl in Vibration blieb, dieses erleichterte das Eindringen in den festen Wattboden. Die ganze Buhne wurde schräg zur Uferlinie in Zick-Zack-Form etwas oberhalb der Niedrigwasserlinie aufgebaut. Mit dem unterseitigen Ende, dem Landarm, der je nach Wattbreite 60 bis 100 m lang war und bis zur Bewuchszone reichte, begann man mittels einer langen Schnur, der Buhnenleine, den Verlauf der einzelnen Fleken auszurichten. Diese ca. 8 mm dicke Buhnenleine bestand aus Naturfasern und wurde zur langen Haltbarkeit, da sie ja ständig nass wurde, mit Holzteer getränkt. Die einzelnen Flekenteile rollte man an der Pfahlreihe, jeweils die Pfahlseite wechselnd, aus. Mit den Schächten und Bindeweiden befestigte man die Fleken an den Pfählen. Danach baute man schräg zur Wasserlinie eine Flekenreihe von ca. 40 bis 50 m nach Oberstrom verlaufend auf. Diese Fleke knickte dann zum Wasser ab und hatte hier eine Länge von 10 bis 15 m. Man nannte es L-Form, die sich fortlaufend wiederholte. Den oberstromigen Abschluss bildete ein zum Ufer laufender Halbkreis, den man Steertbuhne nannte. Die gesamte Länge einer Buhne betrug ca. 300 m. Die Fleken mündeten trichterförmig in die Hörn. Die Hörn war ein aus Weidenstöcken eng geflochtenes, kesselförmiges Gebilde und diente als erster Einlauf in das Reusensystem. An die Hörn wurde die Großreuse, die eine Öffnung von ca. 60 cm hatte und praktisch als verengtes Leitwerk dienste, fest angebaut. Die Verschnürung der Hörn mit der Großreuse erfolgte mit dünnen Bindeweiden. Auf die Großreuse kam die abnehmbare Buttreuse mit einem relativ großen Einlauf, der Mord genannt wurde. Hierin blieben die größeren Fische wie Brassen, Hecht, Zander, Aland, Rotfeder, Quappe, mitunter auch ein Karpfen, aber vor allem der Butt liegen.

Auf die Buttreuse war die Aalreuse aufgesteckt. Die Aalreuse hatte zwei Mords hintereinander mit unterschiedlichen Weiten. Die vordere Mord hatte einen Durchlass von ca. 7 bis 8 cm, die hintere einen Durchlass von ca. 4 bis 5 cm. In dieser Reuse befand sich alles, was durch diesen Mord hin-durchpasste: Vor allem Aal, Neunauge sowie Stint und im Frühling auch Hering und als unbrauchbarer Beifang Kaulbarsch und Wollhandkrabbe. Die Hauptbuhne war ein Ebbebuhne.

Um auch die Flut zum Fang auszunutzen, baute man elbseitig nach Unterstrom jeweils an den L-Form eine kleine abgewinkelte Flutbuhne. die Erträge in diesen Flutbuhnen waren allerdings gering.

Die Großreuse war beidseitig mit Pfählen verankert. Für die abnehmbaren Butt- und Aalreusen setzte man nur auf einer Seite Haltepfähle und unter den Reusen schräge Pfähle, auf denen die Reusen ruhten. Gehalten wurden die Reusen durch ca. 2 cm starke, sehr biegsame Weidenstöcke. Diese Stöcke steckte man neben den Reusen gegenüber der Pfähle tief in den Wattboden, dann bog man sie über die Reusen und hakte sie an den aufrechten Pfählen unter einen schrägen Nagel. Das Ende der Aalreuse sicherte man über einen Holzpflock, der sich zum Entleeren an der Reuse befand, auf die gleiche Art. Die Nägel an den Pfählen waren die einzigen metallenen Gegenstände an der gesamten Buhne. Es ist anzunehmen, dass man früher hierfür Pfähle mit Astgabeln nahm, die man verkehrt herum in den Boden trieb. Für die Reusenstelle hob man eine ca. 15 cm tiefe kleine Grube aus, die dann von der Strömung als Kolk erhalten blieb. In diesem Kolk blieb immer genügend Wasser stehen, damit die Fische in den Reusen nicht im Schlick lagen und durch verdreckte Kiemen umkamen. An warmen Sommertagen reichte das Wasser zum Überleben der Fische.

Durchschnittlich hatte eine Buhne sechs Ebbereusenstellen, vier bis fünf Flutreusenstellen und drei Reusenstellen am Steert. Die Buhne von Fritz Bohn hatte in den letzten Jahren dreizehn Reusenstellen. Um die Schifffahrt auf die Buhne aufmerksam zu machen, für die es ein Unterwasserhindernis war, steckte man mehrere lange Weidenbüsche, Baken, an die Reusenstellen. Die Reusen wurden zu jedem Tagesniedrigwasser geleert. Der Bünker erreichte die Buhne zu Fuß über die Schallendämme, die für die Reeternten angelegt waren, und durch den Schilf- und Binsenbewuchs. Durch den täglichen Gang entstand im Schilf ein Trampelpfad, der Jahre genutzt wurde. Sobald das Watt bei Ebbe freigelaufen war, ging der Bünker zuerst am Landarm entlang zur ersten Reuse. Nachdem die Reuse entleert war, setzte er seinen Weg zu den nächsten Reusen jeweils am L-Form entlang fort. Somit konnte er mitunter noch Fische einsammeln, die die Reusen nicht erreicht hatten. Gleichzeitig kontrollierte er die Fleken auf Festigkeit und Schäden. Zur Behebung von Schäden hatte man beim Aufbau einige Bunde mit Bindeweiden und einige Schächte an den Fleken befestigt.

Zum Entleeren der Reusen benutzte der Bünker eine aus Weiden geflochtene, nach oben verjüngte Kiepe, die an Tragriemen auf dem Rücken transportiert wurde. Die Verjüngung war wichtig, um den großen Aal am Aussteigen zu hindern. Sobald er mit dem Schwanz zuerst an der Kiepenwand emporstieg und an die Verjüngung gelangte, kippte er in die Kiepe zurück.

In der Kiepe war in Höhe von ca. ⅓ vom Boden ein loses Drahtrost eingehängt. Beim Entleeren der Reusen kamen die Aale und der Stint unter dieses Rost. Der Butt und anderer Edelfisch lag auf dem Rost. Für den Heimweg legte der Bünker ein Stück Sacktuch, dass er von Zeit zu Zeit ins Wasser tauchte, auf die Fische, damit er sie möglichst lebend nach Hause brachte. Für Aal und Butt war es kein Problem. Die Brassen, die fast in jeder Reuse gefangen wurden, waren aufgrund seiner vielen feinen Gräten nicht beliebt. Man nahm ihn nur vereinzelt und nur im Herbst mit. Man legte ihn mit Essig und einigen Gewürzen in Sauer ein, nur so war er verzehrbar.

Jeder Bünker hatte bei seinem Haus einen stets Wasser führenden Graben, in dem er in Holzkisten mit Drahtböden, dem Heufatt (Hütefass), seinen Fang hältern konnte. Aale und Butt ließen sich problemlos mehrere Tage hältern. Die Kästen schwammen, damit der ausgeschiedene Kot der Fische durch den Drahtboden abfallen konnte. Der Fisch war sauber.

Seit dem 18ten Jahrhundert betrachteten die Seestermüher Gutsbesitzer das vor den Schallen liegende Elbwatt als ihr Eigentum und erhoben von jedem Bünker eine Gebühr – das Buhnenhakengeld. Seit die Elbe 1921 Reichswasserstraße wurde, schlossen die Bünker Nutzungsverträge mit dem zuständigen Wasserbauamt Glückstadt ab. Für den Fußweg durch die Schallen, die Gutseigentum waren, zahlten die Bünker nun eine Mark Wegegeld an den Gutsbesitzer. Dieses wurde aber einmal jährlich in Form von dicken Aalen zu Tagespreisen umgelegt.

Üblicherweise blieb die Buhne bis November stehen, beim milderen Herbst sogar bis Anfang Dezember. In diesen Monaten wurde fast nur noch, aber dafür reichlich, der sehr schmackhafte und zu dieser Zeit gut genährte Elbbutt gefangen. Dann baute man in vier bis fünf Tagen die Buhne ab.

Die Fleken rollte man auf und legte sie in einen Kahn. Die Reusen, die nur einen Sommer genutzt werden konnten, trat man zusammen, um Platz im Kahn zu sparen. Mit dem Windknüppel drehte man die Pfähle aus dem Boden. Der Windknüppel war ein ca. 6 cm starker Eschenstiel von ca. 1 m Länge. An einem Ende war eine Kette von ca. 80 cm Länge mit einem Ring am Ende als Handgriff angebracht. Diese Kette legte man entgegen der Drehrichtung einige Male um den Pfahl, um ihn nach einigen Umdrehungen herauszuziehen. Dieses glückte nicht immer, da einige Pfähle dabei abbrachen. Die Pfähle, die Monate im Wasser gestanden hatten, waren recht haltbar geworden und trieben nicht mehr. Die meisten konnte man noch eine Saison benutzen. Sie verblieben an der Buhnenstelle. Dazu grub man eine ca. 1,20 cm tiefe Grube im Watt und legte die Pfähle hinein. Über die Pfähle warf man eine Schicht festen Wattboden. Damit man die Grube im nächsten Jahr wieder fand, kam in jede Ecke eine aufgerollte Hörnfleke, die aus dem Grund ragte.

Wie im Frühjahr transportierte man alles übrige nach Hause. Dort zerhackte man die Flechtverbindungen der Fleken. Die noch haltbaren Stöcke der Fleken wurden aussortiert, um sie nochmals für die nächste Buhne zu verwenden. Die unbrauchbaren Stöcke sowie die Hörn, Schächte und Reusen wurden getrocknet und zu Feuerholz zerhackt. diese Arbeit, die beim Haus stattfand, wurde meistens von der Frau und den größeren Kindern des Bünkers ausgeführt. Der Bünker musste sich in dieser Zeit um neues Material für die nächste Buhne kümmern.

Im Jahr 2007 hat Jochim Bohn eine Buhne nachgebaut. Davon zeugen Fotos, die Klaus Plath von den Uetersener Nachrichten aufgenommen hat und ein mehrteiliger Beitrag in der UeNa.

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