Wasserversorgung in Seestermühe

Rainer Adomat, 2025
Obwohl die Marschen durch Wasser geprägt sind, war die Versorgung mit sauberem Wasser bis in die jüngste Zeit eine aufwändige Angelegenheit. Genutzt wurde aufgefangenes Regenwasser oder das Wasser wurde aus den Gräben geschöpft. Das ist in den Ortschroniken nachzulesen.
An dieser Stelle sei als eine frühe Quelle die Chronik von Seestermühe von Hermann Hüllmann zitiert, die dieser 1928 erstellte und die 1934 erschien. Dort ist auf Seite 68f. zu lesen:
„Anstelle des in keiner Küche fehlenden Wasserfasses, dessen lnhalt oft mühsam in Eimern aus »guten« Wassergräben herangetragen werden mußte, ist jetzt in den besseren Küchen eine Handpumpe aufgestellt, die das in den gemauerten Behältern sich sammelnde Regenwasser heranschafft. ln guten Küchen ist neuerdings auch ein Ausguß für schmutziges Wasser vorhanden, das früher hinausgetragen werden mußte. Wenn das Regenwasser nicht durch abgefallenes Laub verunreinigt wird, hält es sich lange klar und darf unbedenklich zum Kochen des Essens verwendet werden. Gutes Trinkwasser fehlt nach wie vor in der Marsch, und Versuche, gutes Wasser durch Röhrenbrunnen zu schaffen, sind immer wieder mißglückt. Die meisten Ställe, neuerdings auch für Schweine, sind mit Selbsttränkern versehen, kleinen Wasserständen, in denen das Wasser durch Schwimmerventile in bestimmter Höhe gehalten wird. Das Vieh kann dann jederzeit trinken, während aufgestallte Rinder früher mit Eimern "gebörnt" wurden oder Wasser durch die Futterkrippen nach Verzehren des Rauhfutters gepumpt wurde. Die Pferde ließ man im Winter zum Tränken aus dem Stall heraus, an den Tränktrog, der auf keinem Hofe fehlt.“
„Gute“ Wassergräben wurden im Laufe der Zeit aber rar, besonders als sich die Stadt Elmshorn ab dem Ende des 19. Jahrhunderts zum Industrieort entwickelte. Städtische Abwässer und auch giftige Industrieabwässer wurden ungeklärt oder nur unzureichenden geklärt in die Krückau geleitet, deren Wasser ggf. bis in die Gräben Seestermühes drückte. Das aus den Gräben gewonnene Wasser wurde immer weniger genießbar, wozu auch die intensivere Düngung der landwirtschaftlichen Flächen beigetragen haben soll. Um die Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser zu versorgen, wurde 1950 zunächst ein Lieferdienst eingerichtet, der per Wassertankwagen alle Haushalte belieferte. Ab 1955 war dann der Wasserbezug über ein zentrales Leitungssystem möglich und damit moderner Standard erreicht. Nach verschiedenen Wechseln der Wasserwerke wird das Wasser aktuell von der Firma Hamburger Wasser geliefert, die eine Pump- und Filteranlage in Uetersen unterhält.
Siehe hierzu auch: Danker-Carstensen, Peter, Dorfgeschichte Seestermühe – eine Gemeinde in der Elbmarsch, Hrsg. Gemeinde Seestermühe 2002, S.347ff.